
Pressesprecher
Lars Kühl
Maternistraße 15
01067 Dresden
Telefon: +49 351 484 191 25
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2. Juli 2026
Schwimmhalle Klotzsche wird angebohrt
Materialtechnische Untersuchungen liefern Klarheit über den Zustand des Bauwerks.
Es ist laut, heiß und feucht. Im Keller der Schwimmhalle Klotzsche frisst sich ein Bohrer durch den alten Beton. Sein Ziel: das Freilegen der Stahl-Bewehrung und eine Probe aus der Beckenunterseite. Die Stelle wurde vorab festgelegt – auf Grundlage eines Katasters, welches für die historische Schwimmhalle existiert und betreut von einem Statikerbüro Schadstellen am Bauwerk dokumentiert. Ein rundes Stück Material mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern liegt bereits verpackt in einer Plastiktüte. Es wird anschließend genauso zur weiteren Analyse in die Labore der Bauhaus-Universität Weimar verschickt wie die anderen bis zu zehn Zentimeter großen Bohrkerne. So entstehen insgesamt elf Löcher, welche aber alle anschließend wieder fachgerecht verschlossen werden.
Die Arbeiten sind Teil des Auftrages an die MKP GmbH. Das Ingenieurbüro hatte mit den Untersuchungen zur Ursache der eingestürzten Carolabrücke deutschlandweite Aufmerksamkeit erfahren. Zurzeit prüfen Mitarbeiter auch den Zustand der Brücke Budapester Straße. In der Schwimmhalle Klotzsche ist ein Vierer-Team zugange. In dieser Woche nehmen sie das von der Schließung bedrohte Bad genauestens unter die Lupe, um möglichst Klarheit über den Zustand zu erhalten. Wobei die „Lupe“ im konkreten Fall Radar- und Ultraschallgeräte sind. Mit diesen wurde am vergangenen Montag das abgelassene Becken untersucht. Einzelaufnahmen werden zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Nur so ist es möglich, die verschiedenen Materialschichten zu durchdringen und Informationen über ihre genaue Zusammensetzung zu bekommen sowie die Verläufe der Stahl-Bewehrungen zu erkennen. Denn originale Bauunterlagen existieren für die gut 90 Jahre alte Schwimmhalle fast keine mehr. Aufgrund des Denkmalschutzstatus sind an den Beckenfliesen keine Bohrungen erlaubt. Umso beeindruckender ist es, dass die gelben Originalfliesen, abgesehen von einem nachgebesserten Bereich mit blauen Fliesen, nach wie vor im Schwimmbecken kleben und von außen betrachtet noch einen guten Eindruck vermitteln. Nach heutigen Maßstäben ist eine Schwimmhalle nach rund 20 Jahren sanierungsbedürftig. Diese Zeit hat das Klotzscher Objekt mehr als vervierfacht. Nun scheint ihre Zeit aber gekommen. Die Hinweise auf eine nachhaltige Schädigung der inneren, nicht sichtbaren Bausubstanz, beispielsweise durch Korrosion in der Stahl-Bewehrung sowie Riss- und Stalaktiten-Bildung am Beton, haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft. Am 5. September 2026 droht die endgültige Hallen-Schließung. Die beauftragten Untersuchungen ergänzen das Gutachten, welches die MKP GmbH bereits erstellt hatte, um fehlende Informationen, insbesondere über den Zustand des Beckenbodens und der ‑wände. Dies ist nur möglich, wenn das Wasser abgelassen ist.
Die Ergebnisse geben notwendige Auskünfte über den weiteren Umgang mit dem Bauwerk. Auf ihnen ruhen zudem die letzten Hoffnungen, das Ende aufzuschieben. Und falls dies nicht gelingt, können sie wenigstens die Möglichkeiten einer Notsanierung aufzeigen, um den Standort zu sichern, bis eine neue Schwimmhalle im Dresdner Norden steht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass herauskommen könnte: Der Zustand der Schwimmhalle ist noch schlechter als gedacht und eine Sanierung würde keinen Sinn machen. Bis Mitte August 2026 sollen die Ergebnisse vorliegen. Dann herrscht endlich Gewissheit.
Bis dahin sind die Mitarbeiter der MKP GmbH mit der Auswertung der Laborergebnisse beschäftigt. Die ermittelten mechanischen und chemischen Werte dienen als Entscheidungsgrundlage: Können befürchtete Szenarien ausgeschlossen werden? Oder erweisen sich Dinge, die im Raum stehen, als plausibel? Wie hoch ist der Korrosionsgrad? Die Druckfestigkeit und die Dichte des Betons werden genauso bewertet wie die Zugfestigkeit des Stahls. Das Gesamtbild muss einen sicheren Schwimmhallenbetrieb gewährleisten.

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